Forscher züchten Steaks im Labor

01. 6.2011 04:03h, 0 Kommentare

 

Damit wir das Fleisch glücklicher Kühe essen können, müssen auch die glücklichen Kühe sterben. Doch in Zukunft könnte unser Steak aus dem Labor kommen. Forscher konnten es bereits künstlich züchten!

Ein leckeres Steak, gezeugt aus den embryonalen Muskelzellen eines Truthahns, in Form gebracht mit Rinderserum und genährt mit Chitosan, dem Schalenextrakt von Krustentieren – „In-vitro-Fleisch“ ist keine Spinnerei eines Science-Fiction-Träumers, sondern bereits (fast) Realität.

Wie die Zeitung „Welt am Sonntag“ berichtet, wird der US-Mediziner und Bio-Designer Vladimir Mironov ein Stück Retortenschinken bei einem Workshop zum Thema „In-vitro-Fleisch“ Anfang September in Göteborg servieren.

Geschmacklich kann es das Laborfleisch angeblich mit dem natürlichen Original aufnehmen, nur mit der Konsistenz ist der Forscher noch nicht zufrieden. „Aber auch dieses Problem könnte man lösen“, meint Mironov, aber es fehle an Forschungsgeld.

Und wie ist es um die Akzeptanz der Kunden bestellt?

Das Retortenfleisch hat ein Imageproblem. „Es gibt einen Igitt-Faktor, wenn Konsumenten vom Laborfleisch hören“, weiß Bioingenieur Nicholas Genovese von der Tierschutzorganisation Peta. Dabei gibt es bereits zahlreiche Lebensmittel, wie Joghurt und Bier, die auf ähnliche Weise hergestellt werden.

Doch im Gegensatz zu den Mikroben des Milchprodukts, die von sich aus wissen, was zu tun ist, ist bei der Erzeugung von Fleisch wesentlich mehr menschlich-technischer Einfluss notwendig. Die Zellen des Laborsteaks müssen aktiviert und programmiert werden.

Die Idee ist nicht neu, bekam jedoch erst mit den Erkenntnissen aus der Stammzellenforschung wieder Wasser auf die Mühlen. Stammzellen sind flexible Alleskönner, die sich in jede Körperzelle umwandeln können. Hat man sie dazu gebracht, sich zu Muskelzellen auszudifferenzieren, sind sie eine niemals versiegende Quelle der Fleischproduktion.

Allerdings steht die Wissenschaft noch vor einigen Problemen, wie die „Welt“ beschreibt. Zum Beispiel lässt sich das gezüchtete Gewebestück immer schwieriger mit Nährstoffen versorgen, je größer es wird. Sobald die Schichten dicker als einen Millimeter werden, stirbt das Fleischstück von innen ab. In der Natur speisen Blutgefäße den Muskel, doch die gibt es im „In-vitro-Fleisch“ nicht. Die Forscher setzen das Fleisch kleinen Elektrostößen oder mechanischen Reizen aus, um es zum Wachsen zu bringen.

Bisher arbeiteten die Wissenschaftler mit erwachsenen Stammzellen. Wäre der Einsatz embryonaler Stammzellen möglich, stünde der Massenproduktion nichts mehr im Weg, so die Meinung der Experten.

Allerdings sind die Kosten dem Bericht zufolge noch immens. Ein Stück Laborfleisch in Nuggetgröße verschlingt derzeit noch fast 60 000 Euro, so die „Welt“. Trotzdem ist es für die Umwelt die besseren Perspektive, meint Mironov. Derzeit braucht man für die Produktion eines Kilogramms Fleisch 15 000 Liter Wasser, die Viehzucht trägt mit ihren Kohlendioxid- und Methanemissionen erheblich zum Treibhauseffekt bei, von den Abfallprodukten ganz zu schweigen.

Fleischlabors rechnen damit, dass ihre Produkte in etwa zehn Jahren zur Marktreife kommen könnten.

Reine Geschmackssache! Würden Sie das Retortenfleisch essen? Voten Sie mit!

 

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