Cervelas-Hype?

01. 9.2012 04:35h, 0 Kommentare

 

Die in der letzten «Kassensturz»-Sendung präsentierten Resultate sind unerfreulich und haben auch den SFF betroffen gemacht. Mit der Bestimmung der aeroben mesophilen Gesamtkeimzahl AMK erhält man jedoch einzig eine Aussage, ob die Prozesshygiene näher zu prüfen ist. Erfahrungen aus der Praxis und im Ausland zeigen, dass bis zu 10 Mio. AMK keine sensorischen Veränderungen im Produkt zu erwarten sind. Der aktuelle Toleranzwert von 1 Mio. pro g wird auch deshalb vermehrt hinterfragt bzw. in der EU-Hygieneverordnung für genussfertige Lebensmittel gar nicht vorgegeben. Zudem ist uns aufgrund erhöhter AMK-Werte kein Fall bekannt, der irgendwie zu gesundheitlichen Nachteilen geführt hätte!
Seit den ersten Tests im Kanton Bern 2011 haben ABZ und SFF auf eigene Initiative hin brancheneigene und von den Behörden bewilligte Hygieneleit­linien geschaffen. Dabei zeigt sich, wo bei Brühwürsten die grössten Hygiene­risiken liegen: in einer ungenügenden Erhitzung (Messen der Kerntemperatur), Kreuzkontaminationen beim Verpacken / Lagern, Unterbrüchen in der Kühlkette sowie den oft ausgereizten Haltbarkeitsfristen. Diese Aspekte gilt es durch die einzelnen Betriebe unbedingt zu beachten, lässt doch die Lebensmittel­sicherheit keine Kompromisse zu, wie dies auch das Beispiel der Cervelas mit den Enterobakterien zeigt.
Für die Fleischwirtschaft befremdend waren die teilweise tendenziösen Aussagen aus dem Hause des Berner Kantonschemikers in der Sendung. Aber auch die «Kassensturz»-Macher liessen Fragen offen, indem sie kaum Informationen zum Zustandekommen der Ergebnisse (inkl. Probenahme, Transport) abgaben. Ohne Rücksicht auf die wirtschaftsschädigenden Effekte ihres Tuns stand anscheinend die Skandalwirkung zur Generierung von Zuschauerzahlen im Vordergrund, wozu sich eine ausgeprägte Hitzeperiode in der Hochsaison bestens eignete. Wie die zahlreichen Kommentare in diversen Medien zeigen, haben breite Bevölkerungskreise vom übertriebenen Hygienespleen genug. Hoffen wir, dass dies auch die «Kassensturz»-Verantwortlichen und die angesprochenen Behörden endlich realisieren, denn bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt.

Quelle: Schweizer Fleischfach Verband

 

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